Gesichter wie aus Plastik – Was passiert, wenn wir der Realität die Filter aufzwingen?“
- AERIS

- 31. Mai
- 1 Min. Lesezeit

Es begann harmlos. Ein bisschen Glanz hier, ein Filter da. Ein Porträt, das mich jünger machte – frisch, strahlend, glatt. Und ich? Ich lächelte. Weil ich so schön aussah. Das war als die ersten Handy Filter zum Einsatz kamen.
Heute leben wir definitiv in einer Welt, in der die Kamera unseres Handys entscheidet, dass wir gefälligst „optimiert“ zu erscheinen haben.
Falten? Wisch weg.
Augenringe? Aufhellen.
Lippen? Ein bisschen fülliger.
Und wenn’s ganz schnell gehen soll: einfach ein KI-Tool nutzen.
Ein Klick – und du bist bereit für die Karriere.
Oder für den Schock, wenn dich jemand in echt sieht.
Wir leben in einer Zeit, in der die Menschen aussehen wie Produkte. Symmetrisch, weichgezeichnet, irgendwie generisch. Der Algorithmus liebt Harmonie – aber er löscht dabei die Seele.
Das Duckface ist zur neuen Neutralmimik geworden.
Das Gesicht: glatt wie Glas. Der Ausdruck: synthetisch höflich.
Und am Ende des Tages fragen wir uns:
Wer bin ich noch, wenn sogar mein Gesicht ein Fake geworden ist?
Ich wünsche mir, dass wir zurückkehren zur Echtheit. Nicht, weil Falten schöner sind – sondern weil sie wahr sind. Weil sie Geschichten erzählen.
Weil sie zeigen, dass wir gelebt, gelacht, geweint und geliebt haben.
Lasst uns nicht überall die Realität verdrängen.
Nicht aus unseren Gesichtern.
Nicht aus unserem Menschsein.
Es braucht nicht mehr Perfektion.
Es braucht mehr Mut zur Wahrheit.



